Ein seltener Anblick bot sich vergangene Woche am Gymnasium Canisianum als die Lehrer an ihrem pädagogischen Fortbildungstag selber wieder die Schulbank drücken mussten. Kreide und Schulheft blieben an diesem Tag allerdings in der Tasche, denn die Fortbildung stand ganz im Zeichen des digitalen Unterrichts. In verschiedenen Klassenraumsimulationen wurde zum Beispiel der Einsatz und die Steuerung der neuen iPads erprobt, die Arbeit mit den interaktiven Whiteboards und Dokumentenkameras vertieft sowie die Nutzung fachspezifischer Lern-Apps und einer digitalen Lehrer-Schüler Kommunikationsplattform geschult.

Das Lehrerkollegium zeigte sich den Workshopangeboten gegenüber sehr aufgeschlossen. Auf großes Interesse stieß vor allem die Übung zum Einsatz der neu angeschafften iPad-Klassensätze. Zur Zeit umfasst der Bestand des Canisianums 60 iPads auf zwei mobilen Wagen. Bis Ende 2020 soll er auf 200 iPads für Schüler plus 45 für Lehrer in den Klassenräumen aufgestockt werden, berichtet Schulleiter Michael Dahmen, „mit den 60 mobilen Geräten steht bereits jetzt dem Einsatz im Unterricht nichts mehr entgegen.“ Für die amüsante Note in diesem Workshop sorgte auch die Unterrichtssimulation, bei der die Lehrer die Rolle der Schüler einnahmen, um die „Classroom-App“ zu testen. „Mit dieser App lassen sich spezielle pädagogische Funktionen auf den Schüler-iPads einrichten. Ebenso ist ein Echtzeit-Zugriff mithilfe des Lehrer-iPads zur individuellen Unterstützung der Schüler möglich. Damit können wir einen zielgerichteten und lernförderlichen Einsatz der iPads im Unterricht gewährleisten“, so Cani-Lehrer Felix Bobbert vom IT-Team. Abgesehen von der individuellen Arbeit lassen sich die iPads auch hervorragend als digitale Tafeln und Präsentationsmedien verwenden. So können Schülerarbeiten oder Lösungshilfen bequem und völlig drahtlos über den Beamer an die Projektionsfläche übertragen und anschließend live von der Klasse bearbeitet werden. Ebenso ist kooperatives Arbeiten in Projektteams durch die Gruppenfunktion möglich.

Das Cani hatte sich im Vorfeld bewusst aufgrund einer Empfehlung des Kreises Coesfeld für die Anschaffung von iPads entschieden. Vorteil sei hierbei der nahtlose Übergang von einigen Lüdinghauser Grundschulen, die ebenfalls Applegeräte verwenden und somit keine große Umstellung für die Schüler und Schülerinnen darstellten. Diese Erfahrung machten auch Nils Dagge und Paul Bartlewski aus der 6a. Zusammen mit Felix Bobbert bilden sie das Cani IT-Team, das mit großem Engagement und Zeitaufwand die iPads für den Unterricht eingerichtet hat.

In den kommenden Wochen werden sich die Fachschaften über fachspezifische Apps für ihren digitalen Unterricht informieren. Die Fachschaft Musik sieht zum Beispiel in der App „GarageBand“ eine tolle Möglichkeit zur digitalen Musikproduktion bei Gestaltungsaufgaben. Außerdem plant sie einen verstärkten Einsatz der iPads beim anstehenden Beethovenprojekt. In Erdkunde lassen sich hervorragend 3D-Karten über eine App abbilden. Die Lehrer der Fremdsprachen erhielten noch am Fortbildungstag einen Einblick in die App „Explain EDU“, die von Referentin Nadia Backhaus des Kompetenzteams Münster vorgestellt wurde. „Apps sind die Lernwerkzeuge einer digitalisierten Welt. Guter Unterricht hat sich nicht geändert, aber er findet unter veränderten Bedingungen und mit anderen Mitteln statt“, erläuterte Backhaus. Im Workshop durften die Lehrer selbst Hand anlegen und die vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten von „Explain EDU“ in den Bereichen Textarbeit, Grammatik und Wortschatz ausprobieren. Backhaus lobte die Offenheit und das Interesse der Lehrer an den digitalen Lernmöglichkeiten. Teilnehmer wie Referentin waren sich aber auch einig, stets den Aufwand und Lernertrag abzuwägen, da der Fokus selbstverständlich das Lernziel bleiben solle.

Mit dem Fortbildungstag hat das Canisianum einen weiteren großen Schritt im Bereich der Digitalisierung der Schulen zurückgelegt. „Nachdem die technischen Voraussetzungen an unserer Schule geschaffen wurden, war es nun an der Zeit auch die Lehrer für den Einsatz im Unterricht fit zu machen,“ so Dahmen. Mit dem Anschluss aller Klassen- und Kursräume an das Glasfasernetz im Januar sowie der vollständigen Ausstattung der Räume mit Dokumentenkameras, Beamern, Notebooks und nun auch iPads ist das Cani auf dem aktuellen Stand der Technik. Bereits in den vergangenen zwei Jahren wurden die beiden Computerräume mit Mitteln aus dem Förderprogramm „Gute Schule 2020“ erneuert und zwei naturwissenschaftliche Räume mit interaktiven Whiteboards ausgestattet.

Konkrete Pläne für weitere Maßnahmen gibt es ebenfalls. So arbeitet ein Lehrerteam bereits an einer Lösung zur Dokumentation der im Laufe der Schulzeit erworbenen Medienkompetenzen analog zum Medienpass NRW. Mit der Einrichtung von „SchoolAdmin“ soll bis zu den Osterferien eine neue Infrastruktur zur Datenverwaltung und Kommunikation geschaffen werden. Parallel dazu wird das Canisianum die vom Land NRW bereitgestellte Plattform Logineo nutzen. Auch das Cani IT-Team plant das Erstellen von Erklärvideos zu technischen Themen rund um das iPad.