Fach "Pädagogik"

Gymnasium Canisianum

Informationen zu den einzelnen Unterrichtsfächern am Gymnasium Canisianum.
Gymnasium Canisianum
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59348 Lüdinghausen
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Pädagogik

Fachvorsitz

  • Bettina Hermes

Fachkollegium

  • Bettina Hermes
  • Tanja Horstmann
  • Ulrich Temme

Dokumente und Links

Hier stellen wir Ihnen einige interessante Dokumente und Downloads sowie Links rund um das Fach Pädagogik zur Verfügung.

Dokumente

Dokumente
Datei Größe
Lehrplan Sekundarstufe II 116 kB
Operatoren Pädagogik 134 kB

Links

Das Fach Pädagogik im Rahmen des Schulprogramms

Risikogesellschaft - so lautet Ulrich Becks aktuelle Beschreibung der Postmoderne, Auflösung vorgegebener sozialer Lebensformen- konkret das Brüchigwerden lebensweltlicher Kategorien wie Familie, Geschlechtsrollen, Zugehörigkeiten, Orientierungsrahmen und Leitbilder. Wo überkommene Systeme an Bedeutung verlieren und zusammenbrechen, entstehen Freiräume, Gestaltungsmöglichkeiten und Optionen für die Zukunft. Die neuen Freiheiten, die der einzelne hinzugewonnen hat, werden auf der anderen Seite mit hohen Anforderungen verbunden, nämlich mit der Notwendigkeit ein "eigenes Leben" zu führen. Diese "Bastelbiographie" ist aber zugleich eine Risikobiographie. "Ein individualisiertes Leben zu leben bedeutet, existentiell verunsichert zu sein." (Hitzler/Honer). Die neuen Freiheiten machen vor allem Kindern und Jugendlichen Angst, weil die alltägliche Lebenswelt in eine Vielzahl von oft nicht durchschaubaren Entscheidungssituationen aufgespalten ist, für die es keine Rezepte mehr gibt. Sinngebung ist zu einer privaten Angelegenheit geworden. So entsteht ein individuell erlebtes Orientierungsproblem. Diese gesellschaftlichen Veränderungen bleiben nicht ohne Auswirkungen auf die Schule und ihre Fächer. Genau in diesem Themenkreis kann dem Gymnasium Canisianum als einer Schule mit christlichem Menschenbild eine besondere sinnstiftende und lebensdienliche Aufgabe zukommen, gleichzeitig kann vor allem auch das Fach "Erziehungswissenschaft" hierbei einen besonderen begleitenden und unterstützenden Auftrag erfüllen. Wenn die notwendig gewordene biographische Konstruktion nicht dem riskanten Zufall und der individuellen Überforderung überlassen bleiben soll, dann müssen dem jungen Menschen Hilfen gegeben werden, um seine Wahlbiographie zu gewinnen. Hier liegen neue Ziele des Unterrichtsfaches Erziehungswissenschaft, wie sie auch in den neuen Richtlinien ausgewiesen werden. Das Fach Erziehungswissenschaft ist in der Lage, die Lern-, Kommunikations-, Entwicklungs- und Sozialisationsfragen, die Identitätsmodelle fachlich gesichert aufzunehmen und systematisch zu bearbeiten. Schülern wird auf diese Weise die Reflexion ihrer Lebenslinie, ihres Lebensentwurfs ermöglicht, so dass die biographische Konstruktion Unterstützung erfährt. Ein Pädagogikunterricht, der somit nicht nur die spätere Eltern- und Erzieherrolle im Blick hat, gewinnt eine wesentliche Bedeutungserweiterung: Sozial- und Selbstkompetenz bedeutet in diesem Zusammenhang das Erlernen werteinsichtigen Verhaltens und Handelns im Sinne einer "moralischen Mündigkeit", wie sie H. Roth in seiner Anthropologie beschrieben hat. In der heutigen Zeit wird "Die Biographie der Menschen aus traditionellen Vorgaben und Sicherheiten, aus fremden Kontrollen und überregionalen Sittengesetzen herausgelöst, offen, entscheidungsabhängig und als Aufgabe in das Handeln jedes einzelnen gelegt." (Beck). Die daraus erwachsenden individuellen und sozialen Probleme und notwendigen Kompetenzen muss Schule, will sie gute, menschendienliche Schule sein, fachgerecht und wissenschaftsorientiert bearbeiten. Der Pädagogikunterricht als Teilbereich des gesellschaftlichen Aufgabenfeldes kann zum Gelingen dieser Aufgabe, die im Mittelpunkt unseres Schulprogramms steht, ein wesentliches Stück beitragen. (Peter Kopmeier, Ulrich Temme) Literatur: Reck, U.: Risikogesellschaft. Auf dem Weg in eine andere Moderne, 1986 Beck, U./Beck-Gernsheim, E (Hrsg.): Riskante Freiheiten, 1994 Hitzler, R./Honer, A.: Bastelexistenz, In: Beck/Beck-Gernsheim, a.a.O. Knöpfet, Eckehardt. Erziehungswissenschaft in der Postmoderne, 1997 Roth, H. Pädagogische Anthropologie, Bd.2, 1971